Immer wieder hört oder liest man davon (z.B. hier), dass der DAX sein Geld im Schlaf (Overnight) verdient, was Overnight Effekt genannt wird. Gemeint ist, dass die Gewinne hauptsächlich außerhalb der Kassazeiten generiert werden. Ob dies wirklich so ist und ob man daraus ein profitables System erarbeiten kann will dieser Beitrag untersuchen.
Der Autor dieser Zeilen hat das System nicht nur in diesem Artikel, sondern auch in der Traders Ausgabe 03/22 und natürlich auch auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht

Versuchs-Parameter

Es wurden daher in zwei Backtests jeweils vom 01.01.2008 bis zum 30.09.2021 auf Daten den DAX-Future (FDAX) getestet. In diesem Vergleichtest wurde zwar auf Future-Daten getestet, aber nur ein 25zigstel Kontrakt gehandelt. Obwohl dies im wahren Leben nicht möglich ist, erschien dieses Vorgehen sinnvoll, um ein Ergebnis in Punkten statt Euro zu erhalten. Es wurde bei jedem Trade ein Spread von einem Punkt angenommen. Da jeweils 3478 Trades entstanden sind, ist das Ergebnis also jeweil 3478 Punkte schlechter als ein Chart des FDAX es zeigen würde. Doch gerade bei der hohen Anzahl an Trades erschien es ratsam ein Blick auf die Gebühren zu haben und deshalb zumindest den Spread zu berücksichtigen.

Testergebnis

Einmal wurde der simulierte Micro-Future um 09:00 Uhr gekauft und um 17:30 Uhr wieder verkauft.
Im zweiten Test wurde um 17:31 Uhr ein Long-Trade eröffnet und am nächsten Handelstag um 08:59 Uhr wieder geschlossen.
Das Testergebnis ist in Abb.1 zu sehen. Die 3478 Trades, die während der Kassazeiten liefen sind deutlich ins Minus gerutscht. Selbst wenn wir den jeweiligen Spread nicht beachtet hätten, wäre immer noch ein negatives Ergebnis herausgekommen.
Das Ergebnis der Trades, die außerhalb der Kassazeiten liefen sind dagegen deutlich im Gewinn und das trotz der berücksichtigten Spreads.

Trendfilter testen

Um verschiedene Filter zu testen, wurden die Testparameter dahingehend geändert, dass nun jetzt jeweils ein voller FDAX-Kontrakt gehandelt wurde und das Konto mit einem Stand von 100.000 € gestartet wurde. Es wurde jeweils ein Gleitender Durchschnitt vom Vortag mit dem Schlußkurs vom Vortag verglichen. Klassisch würde man davon ausgehen, dass der Vortages-Close größer als der SMA sein sollte (Aufwärtstrend), aber der Test zeigt etwas erstaunliches (Abb. 2). Ein SMA über 5 Tage ergibt das beste Ergebnis, wenn der Vortages-Close darunter liegt, der Markt in der letzten Woche daher gefallen ist. Dieser kurzfristige Abwärtstrend kombiniert mit einem mittelfristigen Aufwärtstrend – gemessen am SMA 50 – zeigt eine erstaunlich gute Performance.

Overnight Filter
Stop-Loss hinzufügen

Da dieses System ja die Trades bewusst über Nacht hält, ist ein Stopp nur bedingt sinnvoll, trotzdem sollte man grundsätzlich kein System ohne handeln. Und auch in diesem Fall senkt ein SL von 2% den Drawdown noch ein wenig und verbessert das Gesamtergebnis zumindest minimal.

Overnight Equity

Die Performancewerte und die Equity des Overnight-Systems sind in Abb.3 und Abb. 4 zu erkennen.
Das System sieht handelbar aus, obwohl dies keine Empfehlung sein soll und kann.
Die „Service Quality Number (SQN)“ nach van Tharp befindet sich mit 3,36 im Bereich „sehr gut“.

Risikohinweis

Die in diesem Artikel veröffentlichten Analysen und Systemtests stellen keine Handlungsempfehlung dar. Sie dienen lediglich zu Informations- und Schulungszwecken und nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die veröffentlichten Analysen Fehler enthalten.
Eine Haftung für eventuelle Verluste, die durch Börsengeschäfte aufgrund unserer Analysen entstehen wird ausgeschlossen.
In den vorgestellten Analysen wird eventuell Bezug auf Finanztermingeschäfte genommen. Hohen Chancen stehen dabei auch hohe Risiken bis zum Totalverlust und eventuell darüber hinaus gegenüber.
Eine individuelle Beratung findet nicht statt, jeder handelt auf eigenes Risiko und eigene Rechnung.

Der – nach Meinung von Trader Jo – beste CFD-Broker für Algo-Trader: