Martingale und
Anti-Martingale

Der Ansatz im Glücksspiel

Martingale wird bei Wikipedia folgendermaßen beschrieben:
„Die Martingale ist eine seit dem 18. Jahrhundert bekannte Strategie im Glücksspiel, bei der nach einem verlorenen Spiel der Einsatz erhöht, im einfachsten Fall verdoppelt wird, so dass im hypothetischen Falle unerschöpflichen Vermögens, unerschöpflicher Zeit, und der Nichtexistenz eines Höchsteinsatzes sicherer Gewinn einträte“

Anti-Martingale beschreibt das genaue Gegenteil. Im Glückspiel würde dies bedeuten, dass man im Gewinnfall den Einsatz erhöht. Am Beispiel eines Roulettespielers soll dies verdeutlicht werden. Man setzt einen Euro auf „Rot“ und hat im Gewinnfall seine beiden EURO wieder auf eine Farbe, bei erneutem Gewinn dann vier Euro usw. Wenn man verliert fängt man wieder bei einem Euro an. Im Glücksspiel müsste man sich allerdings ein Limit setzen, bei dem man den Gewinn einstreicht (z.B. bei acht Euro) und ab da wieder mit einem Euro Einsatz anfängt.

Glücksspiel
Was hat das mit Trading zu tun?

Beim Handeln von Finanzinstrumenten wird man diese beiden Ansätze sicherlich nicht unbedingt in der ursprünglichen Form anwenden und es gibt unzählige Ansätze, wie dies aber sehr wohl umgesetzt wird. Jede Form von MoneyManagement ist einer der beiden Ansätze zuzuordnen, es sei denn man handelt immer die gleiche Positionsgröße.

Anti-Martingale im Trading

Der bekannteste Ansatz für ein Anti-Martingale-System ist sicherlich das „Fixed-Percent-MoneyManagement“. Hierbei riskiert man immer einen bestimmten, gleich bleibenden Prozentsatz seines vorhandenen Tradingkapitals bei jedem Trade. Der Einsatz wird dadurch automatisch erhöht, wenn man auf der Gewinnerstraße wandelt – im Verlustfall wird der Einsatz also verringert.
Dieser Ansatz ist sicherlich für die meisten Trader und Systeme eine sehr gute Wahl. Und kann ein ganz wichtiger Baustein auf der Erfolgsleiter sein.
Die Empfehlungen für das prozentuale Risiko reichen dabei von 0,5% – 5%, wobei die Mehrheit der Trader sich zwischen einem und zwei Prozent bewegen dürfte. Der Ansatz reduziert das Risiko und erhöht die Gewinnchance.

Martingale im Trading

Dieser Ansatz ist unzweifelhaft sehr gefährlich für das Kapital und wird in Traderkreisen sehr emotional und kontrovers diskutiert. Wird im Verlustfall das Risiko beim nächsten Trade erhöht, so kann man im Gewinnfall seinen vorherigen Verlust zwar wieder ganz oder teilweise ausgleichen, aber nach mehreren Verlusten hintereinander wird die Luft dünn, die Emotionen erklettern nie gesehene Höhen und im schlimmsten Fall ist das Konto auf null gehandelt…
Jegliche Verwendung von Martingale-Ansätzen setzt daher eine sehr hohe Trefferquote des Systems voraus.
Es sind Erfolgsgeschichten von Tradern bekannt, die  – meistens in mehreren Anläufen – aus einem kleineren Konto ein großes gemacht haben, danach aber mit anderem MoneyManagement weiter gehandelt haben. Die fehlgeschlagenen Versuche haben aber im Totalverlust geendet und für jeden erfolgreichen Trader gibt es sicherlich eine weitaus größere Anzahl von Händlern, die einfach nur Pleite gegangen sind. Der Vorteil eines Martingal-Ansatzes ist sicherlich, dass die Drawdownphasen kürzer sind, bis dann aber irgendwann der ultimative Drawdown stattfindet…

Kombination aus Martingale und Anti-Martingale

Beide Ansätze haben sicherlich Vor- und Nachteile und wie wäre es denn, die beiden Ansätze so zu verbinden, dass wir die Vorteile nutzen und die Nachteile möglichst ausschalten?
Ich benutze z.B. ein System, das genau dies tut.
Dabei verwende ich ein sehr kleines Anfangsrisiko (z.B. 0,4% vom Tradingkapital), was also ein Anti-Martingale-Ansatz ist. Zusätzlich multipliziere ich dies aber mit einem Faktor von eins bis fünf. Dieser Faktor ist im Ursprung auf eins gesetzt und erhöht sich im Verlustfall jeweils um eins, bis höchstens fünf erreicht ist. Im Gewinnfall wird der Faktor um eins reduziert. Es handelt sich in diesem Teil des Systems also um einen typischen Martingale-Ansatz. Das Höchstrisiko beträgt aber in jedem Fall pro Trade höchstens zwei Prozent, was ein durchaus vertretbares Risiko darstellt.
Der Anti-Martingale Anteil des Systems sorgt für kontinuierlichen Kapitalzuwachs im Gewinnfall und Risikoreduzierung in Verlustphasen. Der Martingale Anteil reduziert den Zeitraum von Drawdowns – also die Anzahl von Trades die erforderlich sind, um einen Kontohöchststand wieder zu erreichen – sehr stark. Aber auch dieser Ansatz sollte nur bei Systemen angewendet werden, die eine Trefferquote möglichst über fünfzig Prozent – je mehr, desto besser – aufweisen!