Trading und Zeit

Zeit ist ein Riese…

Die vorhandene Zeit ist sicherlich ein nicht zu unterschätzender Faktor im eigenen Handel. Daher an dieser Stelle ein paar Gedanken zu diesem Thema!

Meine Börsenaktivitäten der letzten drei Wochen waren sehr gering, das lag sicherlich zum großen Teil am Urlaub [Symbol]
Aber gerade in dieser Phase kann das automatisierte Trading eine große Stärke ausspielen – der Handel ging einfach weiter und die Urlaubsausgaben wurden „nebenbei“ wieder hereingeholt. Natürlich kann man seine Handelsprogramme nicht unbegrenzt lange wirken lassen, ohne sich um sie zu kümmern. Meine Programme sind immerhin so geschrieben, dass auch ein Serverabsturz in unbeaufsichtigter Zeit nicht zur Katastrophe führt. Ich verzichte z.B. auf für den Broker unsichtbare Stopps, indem ich den Stopp-Loss immer sofort mit der anfänglichen Buy- oder Sell-Order zusammen aufgebe und nicht über Stopp- oder Limitorders arbeite. Somit habe ich also grundsätzlich immer eine Stopp-Order im Markt. Sollte mein Server also einmal abstürzen, würden z.B. Zeitausstiege oder Trailingstopps nicht mehr greifen, aber die Position ist immer noch bei einem vertretbaren Risiko abgesichert.

Zeit

Zeit im automatisierten Handel

Es ist also gar kein Problem, den automatisierten Handel einmal für ein paar Wochen sich selbst zu überlassen und das ist bei mir zumindest auch gängige Praxis. Dass die Marktentwicklung und auch der Performanceverlauf sich heutzutage selbst im Ausland bequem nachverfolgen lassen, steht dabei nicht im Widerspruch zum oben gesagten. Natürlich lassen sich Positionen zur Not auch über ein Smartphone bearbeiten und selbst in den entlegensten Gegenden dieser Welt gibt es ja heute WiFi (habe schon von Nepal aus gehandelt), aber bei entsprechend programmierten Handelsprogrammen ist dies nicht nötig und jedes „Nachgucken“ ist wohl eher der eigenen Neugierde oder der „Faszination Börse“ geschuldet.Aber auch der automatisierte Handel bedarf natürlich einer gewissen Kontrolle. Diese bezieht sich aber eben nicht auf den einzelnen Trade, sondern eher auf das Gesamtsystem bzw. das Handelssystemportfolio. Ich behaupte sogar, dass automatisierter Handel mindestens genau so viel Arbeit und Zeit benötigt, wie es diskretionäre Trader brauchen. Der Unterschied ist aber der, dass im automatisierten Handel die Arbeiten auch komplett außerhalb der Börsenzeiten erledigt werden können. Mit dem eigentlichen Handel zu den festgelegten Börsenzeiten hat der Trader nichts mehr zu tun. Während der diskretionäre Trader sich ein bestimmtes Zeitfenster aussuchen muss, an dem er handelt (selbst absolute Junkies müssen zumindest mal schlafen) kann der automatisierte Handel die vollen Börsenöffnungszeiten ausnutzen, auch wenn er dies natürlich nicht muss. Hier sprechen ja oft sachliche Gründe, wie z.B. Volatilitäten oder Spreads außerhalb der Haupthandelszeiten gegen den Handel.

Tatsächlich gibt es noch weitere Zeitvorteile beim automatisierten Handel. Auch wenn es meistens nicht Ziel eines diskretionären Traders ist, möglichst viele Systeme zu handeln, ist dies aus Zeit- und Kapazitätsgründen auch nur begrenzt möglich. Genau dies sollte aber Ziel eines automatisierten Tradings sein, um ein möglichst harmonisches Handelssystemportfolio zu bekommen, indem die Performancekurve optimaler Weise stark geglättet wird.
Weiterhin kann ein nebenberuflicher Händler von Hand nur begrenzt in kleineren Zeiteinheiten traden. Dies interessiert ein automatisches Programm natürlich nicht und so wäre auch der Handel z.B. im Minutenchart möglich, während man selbst z.B. in Werkshalle oder Büro sich mit anderen Dingen beschäftigt.

Aber wofür habe ich dann den Zeitaufwand im automatisierten Handel?

Hier gibt es eigentlich drei große Punkte zu beachten:
Jede Menge Vorarbeiten sind zu leisten, die u.U. aber auch eingekauft werden können. Dann hat man die Zeit, bis man aus einer Idee  ein handelsfähiges Programm gemacht hat zu betrachten und zum anderen die Kontrolle der laufenden Systeme.

Vorarbeiten

Bevor ich überhaupt anfangen kann irgendetwas zu tun, muss ich mich natürlich grundlegend mit den Märkten beschäftigen und meine Handelsnische finden. Darin besteht natürlich noch kein Unterschied zum diskretionären Trading. Wenn man nicht auf gekaufte Systeme oder das Sozial Trading zurückgreift, muss man sich mit dem Erlernen von mindestens einer Programmiersprache auseinandersetzen oder einen Programmierer engagieren. Weiterhin gehört ganz sicher die Beschäftigung mit geeigneten Brokern, Handelsplattformen, Servern für den Computerhandel und Datenqualitäten etc. zu den zwingend erforderlichen ToDo’s!

Von der Idee zum fertigen System

Der Weg von einer Handelsidee zum Livehandel ist meistens lang und steinig und erreicht in vielen Fällen auch nicht sein Ziel. Viele Ideen müssen als nicht handelbar verworfen werden und dies findet man mitunter erst sehr spät heraus. Hat man ein System entwickelt, findet man oft erst im Demohandel heraus, dass dieses System nicht einsetzbar ist und dann hat man sicherlich viel gelernt, aber nichts verdient. Will man bei erfolgreichen Systemen auch noch erreichen, dass Diversifikation und Risikoausgleich in ein Handelssystemportfolio kommt, wird die Messlatte noch einmal deutlich nach oben verlegt.

Controlling fertiger Systeme

Wenn unsere Programme dann endlich erfolgreich laufen, beginnt einfach eine andere Form von Zeitaufwand, nämlich das Controlling.
Eine Eigenart der meisten vollautomatischen Systeme ist, dass sie nur eine bestimmte „Halbwertszeit besitzen“. Automatisierte Programme sind natürlich mehr oder weniger unflexibel und können sich an veränderte Marktbedingungen nur schlecht oder gar nicht anpassen. Daher ist es entscheiden rechtzeitig zu bemerken, dass ein System nicht mehr tut was es soll. Dann muss es eben angepasst oder schlimmstenfalls aus dem Handel genommen werden.

Leider ist es nicht so, dass man die oben genannten Punkte einfach linear abarbeiten kann. Vielmehr ist es so, dass alles mehr oder weniger gleichzeitig abläuft. Während man sich in neue Programmierkenntnisse vertieft, wird gerade ein neues System entwickelt, die vorhandenen Systeme genau beobachtet und ein anderes System an den aktuellen Markt angepasst.

Fazit

Der Handel mit vollautomatischen Systemen bietet sicherlich einige Vorteile bezüglich der zeitlichen Flexibilität. Es wäre aber eine Illusion wenn man glaubt, dass man nur für eine gewisse Zeit Arbeit und Energie aufwenden muss, um dann nur noch die Dollars zu zählen.

Der Zeitaufwand ist auch beim automatisierten Handel groß, auch wenn er auch nicht unbedingt während der Börsenzeiten aufgebracht werden muss.