Morning-Breakout

Das Morning-Breakout, auch Open-Range-Breakout genannt, ist ein sehr bekanntes und beliebtes Handelskonzept.
Gibt man diese Begriffe bei Google oder Youtube ein, so findet man sehr viele, teilweise sehr ähnliche Ansätze von verschiedenen Tradern. In diesem Beitrag möchte ich einmal die Rahmenbedingungen untersuchen und grundlegend herausarbeiten, was gut funktioniert.

Das Konzept eines Breakouts ist sehr einfach: Man definiert eine Handelsspanne anhand eines Höchst- und eines Tiefstkurses. Läuft der Markt aus dieser Range hinaus, wird in die entsprechende Richtung gehandelt.

Natürlich haben wir damit noch kein vollständiges Handelssystem, denn Exits, Filter und Money-Management fehlen ja noch vollständig. Und gerade hier liegen in der Regel die Unterschiede der einzelnen Ansätze. Beim Morning Breakout ist der FDAX das beliebteste Instrument.

Morning Breakout
Der einfachste Fall

Ganz grundsätzlich findet man hauptsächlich Ansätze, die eine Spanne von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr oder von 9:00 Uhr bis 10: Uhr, also die Höchst- und Tiefstkurse dieser Zeit, definieren.
Als Stopp-Loss und Take-Profit dient im einfachsten Fall die einfache Handelsspanne nach oben oder unten projeziert. Gehandelt wird dann ab 9 Uhr bzw. 10 Uhr.
Das Morning-Breakout kann sowohl automatisiert, als auch diskretionär gehandelt werden.

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht das Prinzip:

Das Prinzip

Beispiel einer Eröffnungs-Range.
Obere und untere Begrenzung entsprechen dem Höchst- bze Tiefstkurs der vorherigen Handelsstunde. Stopp-Loss und Takeproft entsprechen der Range nach oben bzw. unten abgetragen.

Handel ab 9 Uhr oder 10 Uhr?

Beide Ansätze haben ihre Anhänger. Der FDAX eröffnet um 8 Uhr und somit wäre der Handel ab 9 Uhr, also nach der ersten Handelsstunde, der natürliche Ausbruch aus der Eröffnungsspanne. Andre Stagge beschreibt auf seiner Internetpräsenz ebenfalls ein Morning-Breakout. Er handelt aber ab 10 Uhr die Spanne der zweiten Handelsstunde im FDAX. Er begründet dies damit, dass die Banken, Fonds etc. erst ab ca. 10 Uhr in den Handel einsteigen und dann Volumen in die Märkte bringen und oftmals die Tagesrichtung vorgeben.

Im nachfolgenden Bild sieht man, dass der Ausbruch aus der zweite Handelsstunde ab 10 Uhr der Alternative des Handels der ersten Handelsstunde  ab 9 Uhr erst einmal weit überlegen ist.
Dabei ist aber zu beachten, dass durch weitere Optimierungen beide Ansätze deutlich verbessert werden können.

Performance Vergleich

Performancekurven des einfachen Systems.
Links wird die Range von 8 Uhr bis 9 Uhr gehandelt und rechts die Spanne von 9 bis 10 Uhr.

Optimiertes System

Optimiertes System mit Trendfilter, angepasstem Stopp,
risikoadjustiertem Money-Management und Gebühren berücksichtigt.

Ein optimierteres System

Nach dem vorherigen Test dürfte es wohl deutlich leichter sein, die Spanne der zweiten Handelsstunde als Range zu handeln. Ich habe ohne große Mühe die nachfolgende Performancekurve erzielen können. Im Unterschied zum ersten Test sind hier bereits Gebühren eingerechnet. Es wurde ein einfacher Trendfilter anhand eines Gleitenden Durchschnitts hinzugefügt und der Stopp-Loss wurde auf eine halbe Range reduziert. Außerdem habe ich das Money-Management so angepasst, das die Kontraktzahl sich nach der Weite der Range richtet, also riskoadjustiert wurde.

Alternative Ansätze

Natürlich kann man auch ganz andere Wege gehen. Als Beispiel soll ein Scalping-Ansatz dienen.
Dabei kann z.B. nur die zum Zeitpunkt des Handelsbeginns nächstgelegene Rangegrenze Verwendung finden. Als Profitziel und Stopp-Loss könnte eine bestimmte Anzahl von Punkten, wie etwa 10 oder 20 Punkte dienen. Dieser Ansatz funktioniert dann wiederum  besser bereits ab 9 Uhr, da hier die Volatilität deutlich ansteigt und die Bedingungen für einen Scalper daher recht günstig sind.

Scalping-Ansatz

Performancekurve eines Scalpingansatzes über drei Monate

Fazit

Das Morning-Breakout bietet definitiv Potential zu einem profitablen Handelssystem.
Der Handel des Ausbruchs aus der zweiten Handelsstunde ist erst einmal dem Ausbruch aus der Range der ersten Handelsstunde vorzuziehen.
Trotzdem werden beide Ansätze von vielen Tradern gehandelt und es lassen sich diverse Optimierungen einbauen. Ein risikoadjustiertes Money-Management bietet sich an. Durch setzen unterschiedlicher Stopp-Loss und Profittargets lässt sich das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Weitere Filter können das System deutlich nach vorne bringen, wie es im obigen Beispiel mit einem Trendfilter gemacht wurde. Aber gerade auch Volatilitäts-Filter sind sicherlich einen weiteren Blick wert.
Alternative Ansätze, wie z.B. der beschriebene Scalper bieten ebenfalls Potential, wobei der Handel ab 9 Uhr hier aber der bessere Ansatz zu sein scheint.
Auch andere Underlyings als der FDAX könnten interessant sein.

Das Open-Range-Breakout ist demnach zu recht so beliebt und kann sowohl von Systemtradern, als auch von diskretionären Händlern einfach umgesetzt werden.

Weitere Informationen

Für Anmerkungen, Verbesserungen und Diskussionen zum Themen nutze bitte das Blog-Forum.
Das Thema wird u.U. in meinem Youtube-Kanal aufgegriffen werden.

Risikohinweis

Die in diesem Artikel veröffentlichten Analysen und Systemtests stellen keine Handlungsempfehlung dar. Sie dienen lediglich zu Informations- und Schulungszwecken und nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die veröffentlichten Analysen Fehler enthalten.
Eine Haftung für eventuelle Verluste, die durch Börsengeschäfte aufgrund unserer Analysen entstehen wird ausgeschlossen.

In den vorgestellten Analysen wird eventuell Bezug auf Finanztermingeschäfte genommen. Hohen Chancen stehen dabei auch hohe Risiken bis zum Totalverlust und eventuell darüber hinaus gegenüber.

Eine individuelle Beratung findet nicht statt, jeder handelt auf eigenes Risiko und eigene Rechnung.