Funktionierende Handelssysteme

Sehr viele Trader sind lange Zeit auf der Suche nach einem profitablen Handelssystem und dem einen oder anderem stellt sich dann auch schon einmal die Frage, ob es sie eigentlich gibt. Die Antwort ist ein klares „Ja“, aber wie immer gibt es natürlich auch ein „Aber“.

Auf dieser Internetpräsenz wurden bisher bereits ca. 60 Handelsansätze untersucht und viele davon sind zumindest im Backtest profitabel. Einige davon sind beim Autor dieses Artikels entweder im Demo-Test oder im Livetrading angelangt und machen dort auch Gewinne. Trotzdem suchen wir immer nach noch besseren Ansätzen und eigentlich wollen wir das perfekte System, den heiligen Gral. Denn hätten wir den, gäbe es die vielen Einschränkungen nicht.

Kommen wir zum „Aber“

Das „Aber“ ist tückisch und bringt viele gute Freunde mit. Ich will damit sagen, dass es mehr als eine Einschränkung gibt. Daher suchen wir ständig nach noch besseren Ansätzen. Schauen wir uns die Stolpersteine einmal genauer an und sicherlich gibt es mehr, als die hier beschriebenen.

Der normale Drawdown

Ein Handelssystem, so wie wir es im Backtest und auch im Demotrading emotionsfrei analysieren ist die eine Sache. Aber wenn wir dann mit echtem Geld handeln und plötzlich kommt der normale Drawdown….
Jedenfalls haben wir wahrscheinlich wieder einmal zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt das System aus dem Verkehr gezogen, da wir den Drawdown nicht ausgehalten haben. Danach suchen wir dann schnell das nächste System und das Spiel kann von vorne beginnen.
Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass es Drawdowns gibt und wenn wir die nicht aushalten ist es ein deutliches Zeichen dafür, dass wir zu große Handelsmengen bewegen. Denn wenn echtes Geld im Feuer steht ist es mit der Ruhe und Gelassenheit oft dahin. Ein Aspekt macht uns die Sache aber hoffentlich etwas leichter: Durch den Backtest können wir Vertrauen aufbauen, das ein Ansatz zumindest in der Vergangenheit funktioniert hat. Außerdem sehen wir sofort, ob unser ärgerlicher Drawdown in das normale Systemumfeld passt oder ob hier etwas schief läuft.

Märkte ändern sich

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Stolperstein. Märkte haben die Eigenschaft sich ständig zu verändern und somit kann unser super Handelssystem plötzlich zum totalen Looser werden. Als die Volatilität in den Forexmärkten vor ein paar Jahren massiv einbrach haben viele Trader viel Geld verloren, da bewährte Strategien einfach nicht mehr funktioniert haben. Märkte werden auch immer effizienter und es wird somit auch immer schwieriger einen statistischen Vorteil zu finden. Da ist es schon gut die Systemkennzahlen zu kennen und somit einen klar definierten Anhaltspunkt haben, wann wir die Reißleine ziehen müssen. An dem Punkt haben wir aber natürlich bereits Geld verloren und es ist zu hoffen, dass die vorangegangenen Gewinne diese Verluste deutlich übertreffen. Aus genau diesem Grund ist es ja auch sehr sinnvoll System zu handeln, die bereits über lange Zeiträume funktioniert haben und im besten Fall sogar robust über mehrere Underlyings oder gar Assetklassen handelbar sind.

System und Trader müssen passen

Und dann gibt es ja noch die Aussage, dass ein System zu einem passen muss. Wenn wir einen Ansatz handeln, der nicht unsere Überzeugungen und Glaubenssätzen von uns, dem Markt und der Welt entspricht, werden wir dieses System ständig sabotieren und uns nicht an die Regeln halten. Wenn wir dann auf unserer Verlusten sitzen können wir zwar gerne über das falsche System meckern. Letztendlich haben wir aber versucht etwas zu handeln, was wir eigentlich nicht mögen. Ein Investor wird nicht zu einem Scalper, nur weil er ein profitables System handelt. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Schiffbruch erleiden. Und der Scalper, der seine Positionen plötzlich über mehrere Wochen oder Monate halten soll, wird auch ständig eingreifen wollen.

Was also ist des Pudels Kern?

Es gibt sicherlich noch eine ganze Menge weiterer Aspekte, warum es selbst mit vollautomatischen Systemen nicht so einfach ist und für den diskretionären Trader gelten die obigen Punkte umso mehr. Was aus den bisherigen Ausführungen aber klar hervorgehen sollte ist die Tatsache, das nicht das System ein Problem darstellt sondern wir selbst. Die Aussage, dass die Psychologie im Trading eine entscheidende Rolle spielt ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Auch die Aussage, dass im automatisierten Handel die Emotionen keine Rolle spielen ist Quatsch. Wer keine Emotionen hat ist ein Psychopath und ob dies im Trading hilft wage ich nicht zu beurteilen. Für alle anderen ist es halt so, dass wir als Trader eine spannende Reise zu uns selbst unternehmen und auch dass ist doch schon ein großer Gewinn…

To Do

Erst einmal ist es sehr richtig und wichtig ein System mit klaren Regeln zu haben. Wer dass nicht hat oder glaubt dies nicht zu brauchen ist herzlich willkommen. Damit profitable Trader Geld verdienen können braucht es auch genau diese Trader ohne Plan. Wenn wir aber einen klaren Handelsplan und -Regeln haben müssen wir uns natürlich auch daran halten (können). Hilfreich sind aus Sicht des Autors dabei zwei Sachen. Einmal ist es sinnvoll einen Backtest als Vertrauensbasis gemacht zu haben. Das kann mit einer Software oder per Hand geschehen, aber die Arbeit sollte man sich unbedingt machen. Wenn man dann soweit ist echtes Geld zu riskieren, sollte man mit kleinen Beträgen anfangen. Später kann man dann langsam mehr Geld riskieren. Hilfreich ist es für manche Trader den Bezug zum Geld aus unserem Erleben ein wenig mehr auszublenden indem man in Kategorien von „R-Vielfachen“ o.ä. denkt.
Eine andere Sache ist es dann noch ein Tradingjournal zu führen. Einige Trader behaupten, dass man ohne so ein Tagebuch nicht profitabel werden wird. Ob es so krass zu sehen ist sei dahingestellt, aber sehr hilfreich ist es allemal. Man wird Erkenntnisse über sich und sein System nicht vermeiden können.

Fazit

Die Antwort auf die Frage, ob es funktionierende Handelsansätze gibt ist eindeutig „ja“. Überspitzt formuliert könnte man sogar sagen, dass es Handelsansätze wie „Sand am Meer“ gibt. Nur nützt uns das leider erst einmal gar nichts, solange wir mit einem profitablen System Verluste einfahren. Die Lösung liegt zwischen den eigenen Ohren oder Rippen oder wo immer man glaubt, dass der eigene Geist sitzt. Das Problem befindet sich daher wie immer vor dem Bildschirm.