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Systembeurteilung und -management

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Moin,

ein paar wichtige Fragen bei der Erstellung von backtestbaren Handelssystemen sind für mich di folgenden:

  • An welcher Kennzahl(en) beurteilt man die Qualität eines Systems.
    Natürlich gibt es sicherlich Präferenzen z.B. in Bezug auf die TQ oder den PF. Bei Amibroker steht ja per Standardeinstellung der CAR/MDD sehr im Vordergrund, aber ist das die entscheidende Kennzahl oder welche sonst?
  • Welche Kriterien (Kennzahlen) müssen gegeben sein, um ein System in den Echthandel zu nehmen?
  • Welche Kriterien bestimmen die Anzahl Kontrakte bzw. Lots etc.
  • Wie gewichtet man Systeme am Besten in einem Systemportfolio
  • Wenn man ähnliche Systeme hat, die beide handelbar sind, wie verhält man sich dann?
  • Gibt es klare Kriterien, wann die Anzahl an Kontrakten etc. eines Systems reduziert oder erhöht wird?
  • Wann fliegt ein System aus dem Echthandel und wie geht man weiter vor?

Das sind so ein paar Fragen, zu denen ich teilweise Antworten habe, aber vielleicht nicht die Besten. Teilweise gehe ich auch bei diesen Sachen diskretionär vor.
Mich würde sehr interessieren, wie ihr das beantworten würdet!

Natülich sagt ein Backtest nichts über die Zukunft aus, aber warum soll ich etwas traden, das in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat!

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... und 21 ist nur die halbe Wahrheit

Natülich sagt ein Backtest nichts über die Zukunft aus, aber warum soll ich etwas traden, das in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat!

1) An welcher Kennzahl(en) beurteilt man die Qualität eines Systems.

Eine einzelne Kennzahl für die Qualität eines System habe ich nicht, ich beachte aber max_DD bei gegebenem Risiko pro Trade, Performance, Recoverytime, Handelsfrequenz, Linearität der Equity und TQ.
PF und CRV spielen dagegen keine Rolle.

2) Welche Kriterien (Kennzahlen) müssen gegeben sein, um ein System in den Echthandel zu nehmen?
Weiche (lein Tippfehler: weiche!) Kriterien, natürlich die von von 1), aber dann möchte ich i.d.R kein Übernachtrisiko und das System muss mir gefallen, dazu sollten mich z.B. die Handelszeiten nicht von anderen wichtigen Dingen abhalten.

3) Welche Kriterien bestimmen die Anzahl Kontrakte bzw. Lots etc.
Das für die jeweilige Strategien beschlossene Risiko pro Trade in Verbindungen mit dem SL-Abstand

4) Wie gewichtet man Systeme am Besten in einem Systemportfolio
auch nach Gutdünken. Bei sehr guten TQs erlaube ich mir ein etwas höheres RpT als bei "normalen" TQs

5) Wenn man ähnliche Systeme hat, die beide handelbar sind, wie verhält man sich dann?
Wenn möglich Aufsplittung des Risikos und beide System handeln, sonst Auswahl nach Linerität der Equity oder TQ

6) Gibt es klare Kriterien, wann die Anzahl an Kontrakten etc. eines Systems reduziert oder erhöht wird?
Nein

7a) Wann fliegt ein System aus dem Echthandel...
Schwierig, eigentlich dann, wenn es deutlich schlechter als der Backtest wird, oder wenn es durch ein deutlich vielversprechenderes System ersetzt werden kann.

7b) ...und wie geht man weiter vor?
das alte System beobachten (per neuerer backtests) und weiter neue Systeme testen/entwickeln

 

OK oder Oweh?

1)  An welcher Kennzahl(en) beurteilt man die Qualität eines Systems?

Der Erwartungswert muss positiv sein, und das einzelne System muß mindestens 5% im Jahr (im Durchschnitt) erwirtschaften.

2) Welche Kriterien (Kennzahlen) müssen gegeben sein, um ein System in den Echthandel zu nehmen?

Das System muss mir gefallen, mehr nicht:-)

3) Welche Kriterien bestimmen die Anzahl Kontrakte bzw. Lots etc.

Das für die jeweilige Strategien beschlossene Risiko pro Trade in Verbindungen mit dem SL-Abstand. Steht bei mir aber immer in Verbindung mit dem nächsten Punkt.

4) Wie gewichtet man Systeme am Besten in einem Systemportfolio

Alle Systeme werden bei mir gleich gewichtet. Hier habe ich den einfachsten Weg, über den Drawdown gewählt. Das geht natürlich nur bei Brokern die eine Stückelung zulassen.

5) Wenn man ähnliche Systeme hat, die beide handelbar sind, wie verhält man sich dann?

Das profitabelere der beiden kommt in den Live Handel. Das andere ist das Ersatzsystem.

6) Gibt es klare Kriterien, wann die Anzahl an Kontrakten etc. eines Systems reduziert oder erhöht wird?

Weil bei mir alle Systeme gleich gewichtet sind, ändert sich die Anzahl der Kontrakte durch das Risikokapital.

7a) Wann fliegt ein System aus dem Echthandel...

Den Drawdown aus dem Backtest multipliziere ich mit dem Faktor 1,5. Wird er erreicht, kommt das System auf ein Demokonto und das Ersatzsystem in den Livehandel. Erreicht ein System dann auf dem Demokonto den max. DD der MonteCarlo Simulation, wird es überprüft und gegebenenfalls angepasst.

7b) ...und wie geht man weiter vor?
Für jedes System sollte mindestens ein Ersatzsystem vorhanden sein. Rest der Frage schon in 7a beantwortet.

Zitat von Benno am 8 August 2017, 12:28 pm Uhr

 

 

 

4) Wie gewichtet man Systeme am Besten in einem Systemportfolio

Alle Systeme werden bei mir gleich gewichtet. Hier habe ich den einfachsten Weg, über den Drawdown gewählt. Das geht natürlich nur bei Brokern die eine Stückelung zulassen.

Ich gehe in den meisten Punkten sehr ähnlich vor und auch mir muss ein System primär gefallen.
Mit Ersatzsystemen arbeite ich gar nicht, den Sinn habe ich (noch) nicht verstanden?!
Ich habe meine Systeme zwar in diverse Kategorien unterteilt, aber bei mehreren Systemen in einer Kategorie teile ich das Handelsvolumen auf - geht bei CFD's ja sehr einfach.

Aber zu dem oben im Zitat beschriebenen Vorgehen habe ich eine Frage: Bezieht sich dieser Drawdown dann auf den maxDd des Systems aus dem Backtest?
Ich frage deshalb, weil ich auch den DD als Kriterium heranziehe, aber doch auch etwas anders. Ich wähle die Handelsmenge so, dass im Backtest das System in der Monte-Carlo-Simulation mit 95%iger Wahrscheinlichkeit nicht über 10% DD kommt. Daruas leiten sich dann natürlich sehr unterschiedliche Anzahl an (CFD-)Kontrakten ab, aber meiner Meinung nach sind die Systeme so gleichgewichtet nach Risiko. Der maxDD des Systems lt. Backtest ist dabei dann natürlich einiges kleiner als 10%.

Habe ich da einen Denkfehler?

Natülich sagt ein Backtest nichts über die Zukunft aus, aber warum soll ich etwas traden, das in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat!

zu Benno #5

Die angesprochene Gleichgewichtung von unterschiedlichen Systemen ist mir (auch) noch unklar. Wird das Risiko pro Trade so justiert, dass sich im backtest derselbe max.DD ergibt, ähnlich wie ihn Joachim mit der Monte-Carlo-Simulation ermittelt?

Vielleicht wäre auch interessant, wie oft ein System gehandelt wird, d.h. wie oft in einer Woche, einem Monat... das Risiko auftritt. Darf z.B. die letzte Stunde FDAX nur am Freitag  ein höheres Risiko nehmen, als das tägliche FX-System?

zu Joachim #6
Wenn ein System nicht über 10% max.DD hinauszugehen verspricht, was ist dann bei zehn Systemen gleichzeitig zu erwarten? Gehen wir vorsichtshalber davon aus, alle Systeme gleichzeitig ihren max.DD erzeugen oder schön brav nacheinander?

Und ein Denkfehler? Kann ich nicht erkennen, aber wie arbeitet denn diese Simulation? Einfach alle Tradeergebnisse in vielen zufälligen Reihenfolgen auftreten lassen? Mir wäre da eine fertige Analyse-Software zu sehr eine blackbox

 

 

 

 

Zitat von DAXonly am 11 August 2017, 4:36 pm Uhr

zu Joachim #6
Wenn ein System nicht über 10% max.DD hinauszugehen verspricht, was ist dann bei zehn Systemen gleichzeitig zu erwarten? Gehen wir vorsichtshalber davon aus, alle Systeme gleichzeitig ihren max.DD erzeugen oder schön brav nacheinander?

Und ein Denkfehler? Kann ich nicht erkennen, aber wie arbeitet denn diese Simulation? Einfach alle Tradeergebnisse in vielen zufälligen Reihenfolgen auftreten lassen? Mir wäre da eine fertige Analyse-Software zu sehr eine blackbox

Hallo DAXonly,

guter Einwand, aber...

Also die MC-Simulation reiht die Trades in zufälliger Reihenfolge auf und zwar im Standard in 1000 Durchläufen (kann man erhöhen). Dadurch lassen sich schon recht verlässliche Wahrscheinlichkeiten bestimmen. Ich schaue - ganz nach Lehrbuch (z.B. Dr. Howard B. Bandy) - mir dann die 95% Wahrscheinlichkeit an. Dieser Wert sollte eigentlich nie erreicht werden und daher passe ich meine Kontraktzahl so an, dass ich 10% DD mit 95%iger Wahrscheinlichkeit nicht erreiche. In den meisten Systemen ist der maxDD aus den Backtests dann in etwa die Hälfte davon.
Ich habe also eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit diesem System keine 10% DD zu machen und im mindestens 10-jährigen Backtest war der maxDD irgendetwas zwischen 4% und 6%. Sagen wir ein System wird nach 7,5% DD aus dem Handel genommen und wenn dies mit 10 Systemen gleichzeitig passiert - dein Beispiel - wäre natürlich nur noch ein Viertel des Kapitals übrig.

Wie Wahrscheinlich wäre dies, wenn man grundsätzlich seine Systeme nach Systemart, Timeframe und Underlying diversifiziert?
Wenn also Ausbruchssysteme, Saisonalitäten, Mean-Reversion usw. nebeneinander stehen, die Timeframes von einer Minute bis EOD alles abdecken und sowohl Indizes, als auch Forex, Anleihen, Rohstoffe und eventuell noch Aktien gehandelt werden, sollten nicht alle Systeme im Gleichklang den Bach runter gehen.

Zusätzlich exportiere ich mir die Backtestergebnisse ab und zu (wenn ich etwas am Systemportfolio ändere) nach Excel und schau mir an, ob die Systeme in Kombination die Kurven glätten oder ob es hässliche DD's gibt, die sich im Portfolio verstärken. Außerdem notiere ich natürlich auch alle Trades in Excel und kontrolliere die Performancewerte permanent, um Unregelmäßigkeiten rechtzeitig zu erkennen.

Was mir noch fehlt ist eine Möglichkeit, die Kontraktzahl nach bestimmten Regeln zu verringern bzw. wieder zu erhöhen. Ansätze sind die Equity, der DD etc. Das Problem dabei ist wie man es vermeiden kann, immer zu spät zu sein - also Verluste mit hoher Kontraktzahl und Gewinne mit niedriger zu handeln.
Da wäre ich für jeden Tipp sehr dankbar!!!

Als letztes könnte man sich noch einen "schwarzen Schwan" vorstellen, der alle offenen Positionen in den Abgrund reisst und der SL greift nicht, da es keine Nachfrage mehr gibt?! Ist ja einigen Leuten passiert als die Schweizer Notenbank überraschend ihr Stützkäufe aufgegeben hat, dass sie ein vielfaches ihres eingesetzten Kapitals verloren haben. Das geht zum Glück bei keinem CFD-Broker mehr, da der Verlust per Bafin-Dekret auf das Kapital des Kontos begrenzt ist. Und bei den eingesetzten Hebeln ist natürlich nur ein kleiner Teil meines Tradingkapitals auf dem Konto und der Rest dient nur zur Berechnung der Handelsmenge und verweilt sicher auf einem Tagesgeldkonto.

Kann man mehr tun, wenn man nicht mit dem Traden aufhören will - das wäre dann natürlich die ganz risikolose Methode? :-)

Natülich sagt ein Backtest nichts über die Zukunft aus, aber warum soll ich etwas traden, das in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat!

Hallo Joachim,

das sollte gar kein Einwand sein, nur eine Frage.
Danke für die Erläuterung zur MCS und natürlich stimme ich Dir zu, dass die Wahrscheinlichkeit, dass alle System sich gleichzeitig über vielleicht Wochen hinweg neuen max.DDs annähern, gering ist. Es ging mir eher um das methodische Vorgehen:

Gehandelt werde nur eine Startegie: Backtest_max_DD wie von Dir beschrieben: ca 5%, MCS 10%, meine Erwartung: 10% werden nicht erreicht.
Es kommt ein zweite Strategie dazu, mit gleichen Eckdaten. Sollte nicht meine Erwartung dann irgendwo > 10% und < 20% liegen?
Wenn dann immer mehr Strategien dazukommen, dann müssen wir vielleicht Markowitz und seine Portfoliotheorie bemühen.

"die Kontraktzahl nach bestimmten Regeln zu verringern bzw. wieder zu erhöhen."

eventuell, aber das ist bisher nur leicht negativ bzw flat getestet, könnte man einen "Anti-Martingale"-Ansatz verwenden:
Nach Verlust nächstes Risiko halbieren u.s.w, nach Gewinn wieder auf Ausgangsgröße gehen (statt halbieren ist natürlich auch ein anderer Faktor < 1 denkbar)
Auch andere Varianten sind denkbar, vielleicht hat ja jemand eine gute Idee.

Und den schwarzen Schwan, den richtig schwarzen, den reizen wir lieber nicht, denn dann hätten wir wohl alle ganz andere Sorgen, oder?

 

Bezieht sich dieser Drawdown dann auf den maxDd des Systems aus dem Backtest?

und

Die angesprochene Gleichgewichtung von unterschiedlichen Systemen ist mir (auch) noch unklar.

Der DD bezieht sich auf den max. DD des Systems aus dem Backtest, multipliziert mit dem Faktor 1,5. Grund: Wenn das System diesen DD erreicht, wandert es auf das Demokonto.

Gleichgewichtung von Systemen am Beispiel von zwei Systemen.                                                        System 1 hat einen DD von 5%. System 2 hat einen DD von 15%. System 1 bekommt dann 3 Mal mehr Risikokapital wie System 2. System 1 bekommt also bspw. 1500 Euro Risikokapital und System 2 bekommt 500 Euro. Gehandelt werden beide System mit einem Risiko von 1% pro Trade. Damit kann ich dann System 1 mit einer höheren Posigröße handeln.

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