Das „Starrheitssystem“

In der November Ausgabe des Magazins „Stocks & Commodities“ wird ein Aktiensystem vorgestellt, das ich persönlich sehr interessant finde. Markos Katsanos hat dazu einen Indikator entwickelt, den er „Stiffness Indicator“ genannt hat, was übersetzt so viel wie „Steifheit“ oder „Starrheit“ bedeutet.
In diesem Artikel soll das System vorgestellt, getestet und – wenn möglich – verbessert werden.

Es handelt sich bei dem System um eine Momentum-Strategie, was auch sehr gut als Ergänzung zu kurzfristigeren Trading-Systemen eignet.
Grundüberlegung ist die Frage, was wirklich erfolgreiche Aktien gemeinsam haben. Der Autor des Artikels kommt zu dem Schluss, dass Aktien mit herausragender Performance sehr stetig (starr) steigen und z.B. einen Gleitenden Durchschnitt mit einer Periodenlänge von 100 Tagen nicht oft berühren. Der „Starrheits-Indikator“ kann die Werte von 0 bis 100 annehmen, wobei „0“ bedeutet, dass alle Kurse der eingestellten Periode unter dem Durchschnitt verliefen, bei „100“ wurde der Durchschnitt niemals erreicht.

Einstieg

Das System handelt wie die meisten Aktien-Strategien nur Long und wurde auf den Aktien des S&P500 getestet. Der Longeinstieg erfolgt, wenn der Indikator über 90 steigt. Da auch sehr gute Aktien in Baisse-Situationen fallen, wurde noch ein zusätzlicher Filter eingebaut. Der Gleitende Durchschnitt über 100 Tage muss steigend sein, um den Kauf einer Aktie zu erlauben.

Der Autor betont, dass er mit dem Artikel noch kein vollständiges System vorgelegt hat, da er zu Testzwecken lediglich einen Zeitstopp eingebaut hat. Die Trefferquote beträgt ca. 60% und man schlägt einen Buy&Hold-Ansatz deutlich. Die Performance wäre fast doppelt so gut wie die des S&P500. Der maximale Drawdown betrug nur ein Drittel eines Ansatzes, bei dem man z.B. einen ETF auf den S&P500 über 10 Jahre gehalten hätte.

Ausstieg

Der bereits erwähnte Timestopp findet nach vier Monaten (84 Handelstagen) statt. Dies ist völlig unabhängig davon, ob die Position gerade im Gewinn oder Verlust  liegt.
Weiterhin wurde der „Stiffness-Indicator“auch zur Schließen einer Position gewählt. Sinkt der Indikator unter den Wert von 50, wird die Aktie verkauft. Die sdürfte in der Regel dann einen Verlust bedeuten.

Stiffnes-System-Chart

Diese Grafik zeigt drei Trades in „Align Technology Inc.“. Es ist deutlich zu erkennen, dass der Einstieg erfolgt, nachdem der Stiffness-Indikator über den Wert von 90 gestiegen ist. Der Wert von 50 wurde nie erreicht, so dass dieser Ausstieg nicht zum Tragen kam. Der erste Trade ist ein Take-Profit, gefolgt von einem Stopp-Loss und einem Zeitstopp.

Weiterentwicklungen

Ich habe dieses System weiter untersucht und sowohl einen zusätzlichen Filter für die Positionseröffnung als auch weitere Exit-Bedingungen eingebaut.

Einmal wurde der Zeitausstieg zwar gelassen, aber auf 5 Monate erhöht. Dadurch wird die Performance noch einmal verbessert. Als weitere Einstiegbedingung wurde ein RSI über 6 Tage genommen, wie es vom Autor des Artikels in der S&C vorgeschlagen wurde. Dieser RSI muss als sinnvoller Einstieg unter der Marke von 50 notieren und steigend sein – so jedenfalls das Ergebnis meiner Tests.

Stopps

Eine deutliche Verbesserung entsteht, wenn man ein Gewinnziel einbaut. Als beste Möglichkeit der untersuchten Methoden hat sich eine ATR-Vielfache von sechs ergeben. Wenn die Aktie daher stärker steigt als die sechsfache, durchschnittliche Tagesspanne über zehn Tage (zum Zeitpunkt des Einstiegs ermittelt), wird der Gewinn mitgenommen.

Ob ein Stopp Loss genutzt wird, ist für mich persönlich in keinem System eine Frage! Auch wenn man in Systemen wie vorliegend mit einem weiten Notfall-Stopp arbeiten muss. Eine Vielfache der ursprünglichen ATR (Average True Range) über 10 Tage wird auch für den SL verwendet. Sinnvoll sind hier Vielfache zwischen 10 und 12.

Money-Management

Im Originalartikel werden zu Testzwecken alle 500 im Index enthaltenen Werte gleichzeitig zugelassen. Es werden sicherlich nicht alle Aktien den Kriterien gleichzeitig entsprechen. Trotzdem ist dies für Testzwecke gut, für den realen Handel aber unpraktisch.Einmal steigt der Zeitaufwand und es bedarf eines hoch kapitalisierten Kontos. Ich habe daher untersucht, wie sich das System verhält, wenn man mit einem Depot von 5000 € handelt. Es werden daher höchstens fünf Positionen von jeweils 1000 € gleichzeitig zugelassen.  Sicherlich gibt es bessere Methoden des Money-Managements, aber für den Test ist dieses Vorgehen erst einmal ausreichend. Im Echthandel würde ich sicherlich noch die Volatilität der einzelnen Aktien mit betrachten. Die Menge der Aktien wäre dann so zu wählen, dass mit allen Werten jeweils das gleiche Risiko verbunden ist. Dies nur als Tipp am Rande, der Aktiensysteme normalerweise noch einmal deutlich nach vorne bringt.

Gebühren wurden einberechnet. Es wurdeein sehr günstigstes Gebührenmodell von jeweils 2€ für Ein- und Ausstieg gewählt. Dies bietet z.B. beispielsweise CAP-Trader seinen Kunden an. Slippage wurde nicht berücksichtigt.

Fazit

Der Autor des Originalartikels hat ein System vorgestellt, dass sehr vielversprechend erscheint und weiter entwickelt werden kann. Sowohl Money-Management als auch der Ausstieg können sicherlich über meine Untersuchungen hinaus verbessert werden. Trotzdem liegt bereits jetzt ein attraktives Handelssystem für Aktien des S&P500 vor. Ob sich das System auf deutsche bzw. europäische Wertew übertragen lässt wurde nicht untersucht. Es ist allerdings zu vermuten, dass dieses in allen gängigen Aktienmärkten profitabel ist, denn der zugrunde liegende Momentum-Amsatz sollte universell sein.
Da die Positionseröffnungen jeweils zum Open des Folgetages erfolgen, ist das System sehr gut für Feierabendtrader bzw. Investoren geeignet.

Weitere Informationen

Die zugrunde liegende Systembeschreibung und der Amibroker-Code(Grundversion) können auf www.traders.com gefunden werden, wenn man dort Abonnent ist oder die Einzelausgabe vom November 2018 kauft.
Für Anmerkungen, Verbesserungen und Diskussionen zum Themen nutze bitte das Blog-Forum.
Das Thema wird u.U. in meinem Youtube-Kanal aufgegriffen werden.

Risikohinweis

Die in diesem Artikel veröffentlichten Analysen und Systemtests stellen keine Handlungsempfehlung dar. Sie dienen lediglich zu Informations- und Schulungszwecken und nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die veröffentlichten Analysen Fehler enthalten.
Eine Haftung für eventuelle Verluste, die durch Börsengeschäfte aufgrund unserer Analysen entstehen wird ausgeschlossen.

In den vorgestellten Analysen wird eventuell Bezug auf Finanztermingeschäfte genommen. Hohen Chancen stehen dabei auch hohe Risiken bis zum Totalverlust und eventuell darüber hinaus gegenüber.

Eine individuelle Beratung findet nicht statt, jeder handelt auf eigenes Risiko und eigene Rechnung.