Backtest, Demotrading, Livetrading – ein Vergleich

Ich habe ein Bild zum Stichwort „Backtest“ gesucht und dieses gefunden!

Backtest

Dieses Thema ist für jeden systematischen Trader sehr wichtig. Denn was nützt einem das beste Ergebnis im Backtest, wenn es später im Echtbetrieb nicht mehr funktioniert? Genauso blöde wäre es natürlich auch, wenn ein System im Backtest durchfällt, Live aber profitable wäre und auch das kommt sehr wohl vor.

Es beginnt mit einer Idee

Aber gehen wir der Reihe nach vor. Normalerweise beginnt alles ja mit einer Idee, einer Beobachtung im Chart oder einem Artikel aus einem Buch, Zeitschrift oder Blog.
Dann möchte man natürlich auch wissen, ob sich diese Idee auch praktisch umsetzen lässt und vor allem, ob sie profitabel ist.
Ganz Unentwegte werden ihre Idee vielleicht sofort in Demo- oder gar Livetrading umsetzen, aber das wird in den meisten Fällen  zum Verlust führen, denn die Entwicklung einer Handelssystematik bedeutet Arbeit und Zeitaufwand.

Braucht man eine Software?

Der erste Schritt sollte daher am besten ein Backtest sein. Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, denn entweder nutzt man eine Software dazu oder sucht die entsprechenden Situationen direkt im Chart und notiert sich die Ergebnisse. Die zweite Möglichkeit ist besonders für diskretionäre Trader zu empfehlen, da sie dabei natürlich auch schon einen ersten Eindruck des Marktverhaltens bekommen, auf das es später bei den Entscheidungen ja ankommt.
Der Systemtrader wird wahrscheinlich eine Software zu Hilfe nehmen, da er dabei viel Zeit spart und im späteren Handel sowieso nach ganz festen Regeln handeln will – egal ob händisch oder per Computerprogramm. Und ganz feste Regeln lassen sich grundsätzlich in Programmcode umsetzen. Eine sehr einfache und schnelle Möglichkeit ist dabei entweder die Programmierung mit dem „Tradesignal“ oder in „Excel“, wenn man eines der beiden Programme gut beherrscht. Jedenfalls  sind Backtests bei Kenntnis der Programmiersprache hier schnell und einfach zu realisieren.
Natürlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten und die Umsetzung im Metatrader über die Programmiersprache „mql4“ ist sicherlich die bekannteste. Während der diskretionäre Trader also ein Gefühl für den Markt und seinen Ansatz haben muss – o.k., das braucht der Systemtrader in kleinerem Umfang auch – erfordert der systematische Ansatz Programmierkenntnisse. Es geht natürlich auch ohne, aber dann wird man entweder einen Programmierer bezahlen müssen oder  aber, man testet sehr zeitaufwändig händisch im Chart.

Demotrading

Ist ein vielversprechender Ansatz mit allen Regeln, wie Entry, Exit und Risiko- und Money-Management im Backtest gefunden, so sollte der nächste Schritt das Demotrading sein.
Am besten ist es das Demotrading so lange zu machen, bis man alle Marktphasen (z.B. Aufwärtstrend, Abwärtstrend und Seitwärtsphase) einmal durchlaufen hat oder bis man eine statistisch relevante Tradeanzahl erreicht hat. Hier sollte ein Minimum von 50-100 Trades gelten.

Ist auch das Demotrading erfolgreich absolviert geht das System in den Livehandel und bringt hoffentlich den Profit, den man sich erwünscht.

Livetrading

Schafft es ein System bis in das Livetrading – was in der Mehrzahl der Fälle sicherlich nicht so ist – so gibt es immer noch einige Dinge zu beachten.
Einmal kann es durchaus Sinn machen anfangs mit kleinerer Handelsmenge zu traden, um den Einfluss von Echtdaten, Spreads und Slippage genau zu beaobachten.
Es gibt auch Systemtrader, die auf einen typischen Drawdown warten, um mit dem Trading zu beginnen. Denn die meisten Systemtrader haben klare regeln, wann ein System wieder aus dem Handel genommen wird und das hat in der Regel mit dem historischen Drawdown zu tun. Beginne ich mein Trading daher nach einem normalen Drawdown, so ist mein Risiko mit diesem System „Schiffbruch“ zu erleiden deutlich geringen.

Einfluss von Daten und Software

Man sollte aber nicht glauben, dass die Ergebnisse aus Backtest, Demo- und Livehandel völlig identisch sind. Oftmals sind die Daten nicht ganz identisch, wenn im Backtest überhaupt Gebühren und Spread berücksichtigt werden, so können Spread-Ausweitungen und Slippage nicht berücksichtigt werden. Auch im Demokonto gibt es keine Slippage.
Was im Backtest und Demo auch nicht berücksichtigt werden kann, sind „Trading-Unfälle“, die es im systematischen Handeln natürlich auch gibt. Ich möchte als Beispiele Serverausfälle, extreme Marktsituationen,  Eingreifen des Traders aufgrund von Angst oder Gier usw. nennen.

Wenn die Backtests in einer anderen Plattform und mit anderen Daten etc. gemacht wurden, entstehen manchmal sehr große Unterschiede zum späteren Live-Ergebnis. Wenn man also z.B. in Tradesignal (Daten von Teletrader) backtestet und später im Metatrader auf Brokerdaten viel schlechtere Ergebnisse bekommt, so ist dies völlig normal. Backtests auf anderen Daten, vielleicht sogar ohne Berücksichtigung von Gebühren etc., sollten immer nur als erster Anhaltspunkt genommen werden, denn mehr ist es nicht!

Fazit

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass ein Backtest sehr wichtig und der Beginn des Tradings auf einem Demokonto anzuraten ist. Eine Garantie für den späteren, profitablen Livehandel ist beides aber natürlich nicht und es gibt viele Gründe, um dann trotzdem noch Probleme zu bekommen. Und „Murphy“ lauert auch gerne hinter der nächsten Ecke und kaum beginnt man mit dem Livehandel, beginnt dann gerne der für das System zwar normale Drawdown – aber das muss man dann auch erst einmal durchhalten!