Backtest

Wozu braucht man das?

Backtests sind ein sehr wichtiges Instrument, zur Entwicklung von Handelssystemen. Dabei ist es erst einmal unerheblich, ob diese Systeme später automatisiert oder diskretionär gehandelt werden sollen. Auch die Unterscheidung zwischen manuellem oder softwaregestützem Backtest ist im Prinzip unerheblich. Der diskretionäre Trader wird immer den manuellen Backtest vorziehen, da es ihm ja sehr um das „Marktgefühl“ und das Verständnis der diversen Situationen geht.
Der automatisiert handelnde Trader ist gut beraten, eine gängige Backtesting-Software zu nutzen, da das Spektrum der Möglichkeiten sich sofort extrem vergrößert. Wenn man einen statistischen Vorteil an den Märkten sucht, dann sind Programme mit statistischen Auswertemöglichkeiten natürlich keine schlechte Wahl.

Welche Programme kommen in Frage?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da diverse andere Parameter zuerst geklärt werden müssen.
Ist das Rundum-Sorglos-Paket ein Kriterium – als alles inklusive von Daten – dann kann Tradesignal z.B. in den verschiedenen Versionen oder die Tradestation in Frage kommen.

Hat man eine gute Datenquelle oder will man diese unabhängig vom eigentlichen Programm abonnieren, so können die meisten Programme wie Amibroker, Wealthlab, NinjaTrader usw. eine gute Wahl sein. Einfache Systeme lassen sich aber auch mit Excel darstellen.
Will man die erstellten Backtestprogrammierungen direkt auch zum Traden nutzen, so gelten wieder andere Kriterien. Tradesignal und Amibroker lassen sich im Prinzip nur an einen Broker (IB-Brokers) anbinden, wenn man bei Amibroker einmal von einigen Nischenanbietern in Indien absieht.

NinjaTrader bietet da schon ein größeres Spektrum an Brokern und es gibt nach meinem Kenntnisstand sowohl Future- als auch CFD-Broker im Angebot.
Das gängigste Programm zum vollautomatischen Handel ist aber Metatrader in den Versionen MT4 und MT5 für den CFD-Handel. Allerdings muss ganz klar festgehalten werden, dass die Möglichkeiten des Backtestings – vorsichtig ausgedrückt – rudimentär sind.

Die Entwicklung von Handelssystemen ausschließlich anhand von Metatrader-Backtests ist fraglich!

Mein Vorgehen

Ich persönlich habe mich für eine Kombination aus Amibroker und Metatrader4 entschieden. Die Beweggründe möchte ich nachfolgend gerne darstellen.

Amibroker ist sicherlich eines der Programme mit dem größten Funktionsumfang und das Preis-/ Leistungsverhältnis ist extrem gut. Das Programm ist sehr schnell und selbst umfangreiche Optimierungen oder Marktscans lassen sich in guten Zeiträumen abarbeiten. Damit sind auch schon zwei wichtige und mächtige Tools des Programmes genannt. Umfangreiche Auswertungen bis hin zu Monte-Carlo-Simulationen sind möglich.
Für mich wichtig ist auch die Möglichkeit ganze Portfolios von z.B. Aktien oder Währungspaaren zusammen einem Backtest zu unterziehen. Die Möglichkeiten der Software sind sehr umfangreich und nähere Informationen sind auf den Herstellerseiten zu finden.

Eine Programmiersprache muss natürlich erlernt werden – das ist nun einmal immer der Fall -, aber Amibroker bietet auch einen „Programmbuilder“ an, der aus englischer Sprache nach bestimmten Regeln Programmcode generiert. Zu diesem Feature kann ich aber nichts sagen.

Mit Amibroker erstellte Backtests, die weiterverfolgt werden sollen programmiere ich dann erneut im MT4. Die Programmiersprache von Metatrader ist leider deutlich anders, als die von Amibroker und man muss lernen, entsprechend „umzuschalten“. Obwohl ich dem Backtest von MT4 nicht sehr vertraue, ist es doch gut zu wissen, dass Amibroker und MT4 in den letzten Monaten ähnliche Ergebnisse gebracht haben. Damit ist die Möglichkeit von Programmierfehlern deutlich reduziert und das Vertrauen in das Ergebnis wird verstärkt.

Forwardtest

Im nächsten Schritt wird dann ein „Forwardtest“ vorgenommen. Dabei lasse ich den sogenannten MT4-EA, also den vollautomatisch handelnden Roboter im Demokonto oder mit sehr kleiner Handelsmenge im Livekonto arbeiten. Das Demokonto nutze ich ungerne und nur, wenn Zweifel bestehen, ob die Handelslogik sich überhaupt im Echthandel umsetzen lässt. Ich verliere im Livekonto lieber ein paar Euro in einer echten Handelsumgebung, mit echten Spreads und Slippage , als lange unter simulierten Bedingungen zu arbeiten.

Sollte diese Hürde auch überstanden sein und der EA hat seine Tauglichkeit bewiesen, wird die Handelsmenge solange erhöht, bis die gewünschte Anzahl von Lots, CFD‘s oder Kontrakten erreicht ist.