Jeff Coopers „180er“
– einmal anders –

Das 180er im Original

Vor ca. 30 Jahren hat Jeff Cooper sein erfolgreichen Börsenbuch „Hit and Run Trading“ mit Handelsstrategien veröffentlicht. Das Buch ist unter dem Titel „Hit and Run Strategien“ auch in deutscher Sprache erschienen. Die in diesem Artikel untersuchte Strategie stammt aus dem oben beschriebenen Buch und trägt den Titel „180er“. Es handelt sich ursprünglich um eine reine Handelsstrategie für US-Aktien und in dieser Untersuchung soll es darum gehen, ob die Strategie nach all den Jahren noch funktioniert und zwar auf Aktienindizes – es werden also keine Einzelaktien untersucht!

Die Handelslogik

Die dahinter steckende Logik ist sehr einfach, was die meisten guten Strategien auszeichnet:
Es wird zuerst untersucht, ob der Markt in einem Trend ist (gemessen an einem 10-Tage und einem 50-Tage einfachen Gleitenden Durchschnitt (SMA). Ist der Kurs über beiden SMAs, so liegt ein Aufwärtstrend vor, liegt der Kurs darunter so haben wir einen Abwärtstrend.
Wenn der Markt sich daher z.B. in einem Aufwärtstrend befindet und ein Tagesschlußkurs im unteren Viertel einer Kerze stattfindet gefolgt von einem Tagesschlusskurs im oberen Viertel der Kerze liegt ein 180er Long vor . Überschreitet der Markt am Folgetag den Höchstkurs des Vortages, so gehen wir Long (Short alles entsprechend umgekehrt.

Die Testumgebung

Für die nachfolgenden Tests wurde der MT4 mit Tickdaten seit 09/2011 genutzt. Als Stopp-Loss wurden der Einfachheit halber einfach 0,5 Prozent genommen. Als Money-Management wurde jeweils 1% vom vorhandenen Kapital riskiert.
Da pro Index lediglich ca. 50 Signale auftraten verboten sich irgendwelche Optimierungen von selbst. Natürlich würde man optimiert wesentlich bessere Ergebnisse hinbekommen, die aber in der Zukunft mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren würden.

Der S&P 500

Links nebenstehend sieht man das Ergebnis im S&P500, der sich als geeignetester Index herausgestellt hat.
Mit einem Profitfaktor von 1,83 und einer Trefferquote von ca. 66% liegt uns ein recht angenehmes System vor. Auch die Equitykurve zeigt im Untersuchungszeitraum keine größeren Ausreisser nach unten. Bei 50 Trades im getesteten Zeitraum gab es im Höchstfall zwei Verlierer hintereinander.

Das 180er im Dow Jones

Im DOW zeigt das Handelssystem schon deutlich schlechtere Werte (s. Grafik rechts).
Bei einem Profitfaktor von 1,37 und einer Trefferquote von 56% ist das System vielleicht für einige Leute gerade noch handelbar.
Auch im Dow Jones gab es bei 48 Trades nur zwei aufeinander folgene Verlierer, aber die Equitykurve ist nicht so schön. Die erste Hälfte der Zeit lag eine Seitwärtsphase vor und auch aktuell befinden wir uns wieder in einem unschönen Trend.

Das 180er im Nasdaq und FDAX

Im Nasdaq 100 und im FDAX ist das System nicht handelbar. Der Nasdaq hat einen leicht negative Performance, der DAX eine leicht positive.
Die beiden nachfolgenden Grafiken zeigen diese Tasache (Nasdaq links, FDAX rechts)

Long und Short

Da sich Aktienmärkte meistens in einem Aufwärtstrend befinden und dies auch in der meisten Zeit des Untersuchungszeitraumes der Fall war ist zu erwarten, dass dieses System für die Long-Seite deutlich besser performt. Dies ist aber nicht der Fall! Am nebenstehenden Beispiel des S&P 500 sieht man die Performance, wenn man nur Short gehandelt hätte. Es bleiben 21 Trades übrig und die Trefferquote bleibt bei 66%. Allerdings steigt der Profitfaktor auf mehr als „2“!

Fazit

Das 180er-Muster ist zwar schon recht viele Jahre bekannt, funktioniert aber im breiten Aktienmarkt am Beispiel des S&P 500 auch heute immer noch gut.
Kleinere Indizes, wie DOW, Nasdaq oder unser FDAX funktionieren im Untersuchungszeitraum weniger gut.
In der Zeitschrift „Traders“ fand in der Ausgabe 08/19 ebenfalls eine Untersuchung dieses Systems statt, allerdings  – wie im Original beschrieben – für Einzelaktien. Auch hier war das Fazit, dass dieses System immer noch funktioniert. Es könnte aber sinnvoll sein US-Aktien zu handeln, die im SP 500 enthalten sind oder aber die Einzelaktien auf die Eignung für dieses System gezielt zu untersuchen.

Ausblick

Bevor man dieses System in sein Handelssystemportfolio integriert und somit in den Livehandel gibt, sollten weitere Untersuchungen folgen.
So wäre es sicherlich anzuraten, einen größeren Testzeitraum zu wählen, in dem dann auch klare Downphasen (wie 2008 oder 2011) enthalten sein sollten.
Dies hätte dann auch den Vorteil, dass auf einer deutlich größeren Tradeanzahl auch Optimierungen denkbar wären.


Risikohinweis

Die in diesem Artikel veröffentlichten Analysen und Systemtests stellen keine Handlungsempfehlung dar. Sie dienen lediglich zu Informations- und Schulungszwecken und nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die veröffentlichten Analysen Fehler enthalten.
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